Verein für Heimatpflege Wenighösbach

… zusammen stark für unsere Heimat!

21. Januar 2021
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse 06.01.1900

Beobachter am Main vom 6.1.1900

Wenighösbach, 4. Jan.

In unserer Gemeinde wurde am Jahresschlusse ein seltenes Fest gefeiert, eine wohlverdiente Ehrung für unseren Bürgermeister und Landrat Staab, welcher, nachdem er volle 39 Jahre als Bürgermeister fungierte, sein Mandat wegen vorgerückten Alters niedergelegt hat. Die Gemeinde-Bürger, 50 an der Zahl, haben ihm aus diesem Anlasse ein Geschenk überreicht und ihm zugleich für seine eifrigen Bemühungen, seine Opferwilligkeit und Gewissenhaftigkeit im Interesse der Gemeinde den herzlichsten Dank kundgegeben. Herr Staab hat, um nur einiges von seinen Verdiensten hervorzuheben, das Münchhofgut für die Gemeinde angekauft, unter seiner Amtsführung wurde das Schulhaus erbaut, das Kaplan-Haus renoviert und die Kaplanei gegründet. Zur Deckung der großen Kosten wurde eine Waldfläche abgeholzt und zu Äckern umgewandelt, deren Verkauf der Gemeinde einen so bedeutenden Erlös brachte, daß die Gemeindeumlagen nicht nur nicht erhöht zu werden brauchten, sondern auch noch herabgesetzt werden konnten. Als Landrat hat Herr Staab 24 Jahre gewirkt und den ärmeren Gemeinden viel in dieser Stellung genützt. Die versammelten Bürger brachten ihm bei der Geschenkübergabe noch ein dreifaches Hoch aus, dann zogen sie mit Musik zum neugewählten Bürgermeister und Beigeordneten, die ebenfalls mit einem Geschenk bedacht wurden. Den Schluß bildete ein fröhliches Zusammensein in der Wirtschaft. Möge der liebe Gott unserem alten Bürgermeister Staab noch viele Jahre bescheren, damit er noch lange seinen Nachfolger mit Rat und That.

Anmerkung:

Der Kauf des Münchhofgutes fand wohl auf Initiative von Bürgermeister Staab, der dem Leser schon an anderem Zusammenhang in dieser Rubrik begegnet ist, statt. Die Formulierung “für die Gemeinde” beschreibt die Tatsache, dass das Gut aus dem Eigentum des Klosters Schmerlenbach an eine Genossenschaft von 50 Grundbesitzern aus Wenighösbach verkauft wurde. Das waren alle Einwohner mit Bürgerrecht, also Besitzer von Haus und Hof und somit damals gewissermaßen die gesamte Gemeinde. Die Zahl der Einwohner betrug um 1900 insgesamt 370 Personen.

Bei der abgeholzten Waldfläche handelte es sich um die Waldabteilung “Untere Häg”, die heute allgemein nur als der “Hirtenberg” bekannt ist. Die Rodung wurde bereits 1890 erstmals beantragt, jedoch erst im Oktober 1893 durch “hohen Regierungsbeschluss” bewilligt. Für die Umwandlung der Waldfläche in Ackerland wurde vom kgl. Forstamt Hain eine achtjährige Kulturperiode fest gesetzt. Die Gemeinde war überdies verpflichtet, den Erlös umgehend “rentierend anzulegen” und darüber zu berichten.
Im Zuge dieser letzten, größeren Rodung von Gemeindewald in Wenighösbach, konnten nach und nach 15,84 ha Wald in Ackerland umgewandelt werden. Das neu geschaffene Ackerland wurde dabei in 100 mehr oder weniger gleich große Parzellen von 17 Ar aufgeteilt und an die Gemeindebürger versteigert. Bis September 1901 hatte die Gemeinde 69 Parzellen verkauft. Die neuen Besitzern waren nach dem Erwerb gehalten:… “die Grundstücke bis zur kommenden Herbstsaat zu bestellen”. Über das Ende der Rodung liegen keine Unterlagen vor, sie dürfte aber wahrscheinlich etwa um das Jahr 1903 abgeschlossen worden sein.

Text: Ferdi Sauer

12. Januar 2021
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 16.12.1864

Erklärung

Der in der Aschaffenburger Zeitung Nro. 296 und im Aschaffenburger Intelligenz-Blatte Nro. 199 erwähnte und für die hiesige Gemeinde so unangenehme Vorfall bestand lediglich darin, daß einige von den dort genannten Burschen im trunkenen Zustande sich zu der Neckerei hinreißen ließen, mehrmals „Jöcher“ zu rufen, weswegen sie hierorts auch einen Verweis erhielten, und die Ortsangehörigen von Wenighösbach öffentlich um Entschuldigung bitten lassen.

Daß der ungenannte, aber wohlbekannte Verfasser des betreffenden Artikels darüber in solche Hitze kommen konnte, ist unbegreiflich, da er zu Wenighösbach weder heimathsberechtigt oder geboren, noch daselbst z. Z. ansässig ist, und dieses Wort im hiesigen Wirthshause schon öfter gebrauchte. Gegenwärtiges zur Aufklärung der Sache wahrheitsgetreu nach genauester Erkundigung.

Rottenberg, am 14. Dezember 1864

Die Gemeindeverwaltung

Bergmann, Vorsteher.
Bergmann, Pfleger.
Rosenberger, Staab, Amrhein,  Deputirte.

Anmerkung:

Nach mündlicher Überlieferung lagen sich auf der Winnhäisbicher Kerb, gemäß guter, alter Tradition, Burschen  aus Wenighösbach und aus den Nachbarortschaften wieder einmal in den Haaren.

Der Kampf, ausgetragen beim “Innäwätt” (Unterwirt) dem alten “Gasthaus zum Ochsen”, wogte lange Zeit unentschieden zwischen den Kontrahenten hin und her. Ein Einheimischer gab mit dem Schlachtruf: “Gäit naus, hullt die Jöcher vom Scheirndoor unn schloacht mit druff”, der Schlägerei eine entscheidende und für die auswärtigen Teilnehmer sehr unangenehme Wendung.

Wegen der Schmach der erlittenen Niederlage und erst recht durch den Einsatz der von den Wenighösbachern zweckentfremdeten Zugvorrichtungen für Rinder als Waffen, blieb den Unterlegenen diese “Winnhäisbicher Kerb” noch lange in unschöner Erinnerung. Das hatte wohl zur Folge das man von unterlegener Seite, gewissermaßen als Rache, fortan die Wenighösbacher insgesamt mit der Bezeichnung “Jöcher” zu kränken versuchte. 

Die zeitliche Nähe der Wenighösbacher Kerb, die gut vier Wochen vor diesem “unangenehmen Vorfall” gefeiert wurde könnte durchaus darauf hindeuten, dass auf dieser Kerb des Jahres 1864 vielleicht auch die Bezeichnung “Jöcher”, für die Wenighösbacher schlechthin, geboren wurde.

“Die Zeit heilt alle Wunden”, so sagt man sicher nicht ganz zu Unrecht. Denn, was damals die Presse und die Lokalpolitik beschäftigte und gar zu einer hoch offiziellen Entschuldigung der Gemeinde Rottenberg führte, zählt heute eher zur Kategorie: “Lustige Geschichten aus vergangenen Tagen”.  So verwundert es nicht, dass die Blaskapelle Wenighösbach selbstbewusst den Markennamen

“Die Jochbachtaler” führt. 

Heute werden die Bezeichnungen “Joch” für Wenighösbach oder “Jöcher” für seine Bewohner, wenn sie denn meist schmunzelnd und neckend noch gebraucht werden, von den solcherart titulierten nicht mehr als   “Ounoame” gesehen sondern eher als altbekannter und inzwischen in der Nachbarschaft fast gängiger Zweitnamen ihres Dorfes und seiner Menschen. 

Text: Ferdi Sauer

14. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Frohe Weihnachten!

“Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Gefühlslage. Frieden und Wohlwollen in seinem Herzen zu halten, freigiebig mit Barmherzigkeiten zu sein, das heißt, den wahren Geist von Weihnachten in sich zu tragen.”

Calvin Coolidge 
30. Präsident der Vereinigten Staaten

Liebe Mitglieder, Freunde und Gönner unseres Vereines,

das aktuelle Jahr 2020 ist ein Jahr, welches uns allen sicher nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Wir mussten lernen, mit ungeahnten Einschränkungen umzugehen. Liebgewordene Gewohnheiten und menschliche Nähe waren plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr. Das hat viele von uns an unsere Grenzen geführt.

Daher bedanke ich mich im Namen des Vereins für Heimatpflege Wenighösbach e.V. in diesem Jahr ganz besonders für die Treue und Unterstützung durch unsere aktiven und passiven Mitglieder und bei den vielen Gönnern und Förderern unseres Vereines!

Ich wünsche uns allen Mut, Hoffnung und Weitblick für die vor uns liegende Weihnachtszeit und das Jahr 2021!

Stefan Sauer
1.Vorsitzender

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 10.12.1864

Aschaffenburger Zeitung vom 25.11.1888

Wenighösbach 24. Nov. Mit einem Stuhl in der Hand fiel gestern die Frau des hiesigen Gemeindedieners Johann Bergmann über ihre ca. 3 Meter hohe Haustreppe und zog sich durch diesen Fall derartige Verletzungen zu, daß schleunigst der Arzt konsultirt werden mußte.

Aschaffenburger Zeitung vom 10.12.1864

Vermischte Nachrichten.

Aschaffenburg, 10. Dez. Ein Akt roher Ungezogenheit wurde am 6. d. M. Abends gegen 4 Uhr an zwei von Aschaffenburg heimkehrenden Personen von Wenighösbach dadurch verübt, daß mehrere auf einem Wagen vom Markte zurückkehrende, ungezogene Burschen von Rottenberg dieselben ohne jede Veranlassung auf bübische Weise durch Schimpfworte insultirten. Zeugniß von der geringen Bildung und gemeinen Rohheit dieser Subjekte.

Anmerkung:

Welche Insultationen, also schweren Beleidigungen, den Verfasser des Zeitungsberichts wohl derartig in Rage versetzten? Auflösung in der nächsten Woche an gleicher Stelle.

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 06.12.1888

Beobachter am Main vom 6.12.1888

Wenighösbach, 5. Dez. Gelegentlich des gestern dahier stattgefundenen Patronatsfestes der hiesigen Kirche fand Nachmittags die feierliche Einweihung der vor einiger Zeit angeschafften Stationsbilder statt. Den Weiheact vollzog Herr Dechantpfarrer Hopf von Ernstkirchen. Die Stationsbilder, aus der Firma Bätz von München, sind nicht nur eine Zierde des hiesigen Gotteshauses, sondern auch ein schöner Beweis opferfreudigen, christlichen Sinnes.

Anmerkung:

Die hier beschriebenen Stationsbilder wurden 1948 im Zuge einer umfassenden Renovierung der St.-Barbara-Kirche durch die gegenwärtig zu sehenden Darstellungen des Kreuzesweges Jesu ausgetauscht. Die alten Stationsbilder befinden sich jedoch noch im Bestand der Kirche.

Aschaffenburger Zeitung vom 10.12.1888

Wenighösbach, 8. Dez. Mit dem Pflücken von Tannenzapfen im hiesigen Gemeindewalde beschäftigt, zerbrach gestern Mittag die ca. 34 Fuß hohe Leiter, worauf der Sohn des hiesigen Bürgers, Peter Gehlert, mit Namen Johann Gehlert, die Tannenzapfen am Baum von der obersten Sprosse der Leiter abbrechen wollte, in der Mitte entzwei, und fiel derselbe zu Boden. Zum Glücke hatte er sich blos einige Verletzungen und Schürfungen im Gesichte zugezogen. Fast alle Jahre hört man von solchen Unglücksfällen und wäre es deshalb angezeigt, wenn diese jungen Leute sich nicht auf solche hohen Bäume wagen, und vorher ihre Leiter über die Tragfähigkeit prüfen würden.

Anmerkung:

Für diejenigen, die noch die alten Haus Namen kennen und zuordnen können ein kleiner Hinweis. Peter Gehlert und sein Sohn Johann Alois Gehlert waren die Namensgeber des Anwesens Hs.-Nr. 48: “Es Hoans-Peiräs”. Falls Johann Gehlert sich wirklich auf der letzten Sprosse der Leiter befand und von dort zu Boden fiel, hatte er wirklich unglaubliches Glück. Ein Fuß hat die Länge von Rund 30 cm. Johann fiel also aus einer Höhe von gut 10 Metern zu Boden, vermutlich bremsten Äste seinen tiefen Fall.

Text: Ferdi Sauer