Verein für Heimatpflege Wenighösbach

… zusammen stark für unsere Heimat!

12. Januar 2021
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 16.12.1864

Erklärung

Der in der Aschaffenburger Zeitung Nro. 296 und im Aschaffenburger Intelligenz-Blatte Nro. 199 erwähnte und für die hiesige Gemeinde so unangenehme Vorfall bestand lediglich darin, daß einige von den dort genannten Burschen im trunkenen Zustande sich zu der Neckerei hinreißen ließen, mehrmals „Jöcher“ zu rufen, weswegen sie hierorts auch einen Verweis erhielten, und die Ortsangehörigen von Wenighösbach öffentlich um Entschuldigung bitten lassen.

Daß der ungenannte, aber wohlbekannte Verfasser des betreffenden Artikels darüber in solche Hitze kommen konnte, ist unbegreiflich, da er zu Wenighösbach weder heimathsberechtigt oder geboren, noch daselbst z. Z. ansässig ist, und dieses Wort im hiesigen Wirthshause schon öfter gebrauchte. Gegenwärtiges zur Aufklärung der Sache wahrheitsgetreu nach genauester Erkundigung.

Rottenberg, am 14. Dezember 1864

Die Gemeindeverwaltung

Bergmann, Vorsteher.
Bergmann, Pfleger.
Rosenberger, Staab, Amrhein,  Deputirte.

Anmerkung:

Nach mündlicher Überlieferung lagen sich auf der Winnhäisbicher Kerb, gemäß guter, alter Tradition, Burschen  aus Wenighösbach und aus den Nachbarortschaften wieder einmal in den Haaren.

Der Kampf, ausgetragen beim “Innäwätt” (Unterwirt) dem alten “Gasthaus zum Ochsen”, wogte lange Zeit unentschieden zwischen den Kontrahenten hin und her. Ein Einheimischer gab mit dem Schlachtruf: “Gäit naus, hullt die Jöcher vom Scheirndoor unn schloacht mit druff”, der Schlägerei eine entscheidende und für die auswärtigen Teilnehmer sehr unangenehme Wendung.

Wegen der Schmach der erlittenen Niederlage und erst recht durch den Einsatz der von den Wenighösbachern zweckentfremdeten Zugvorrichtungen für Rinder als Waffen, blieb den Unterlegenen diese “Winnhäisbicher Kerb” noch lange in unschöner Erinnerung. Das hatte wohl zur Folge das man von unterlegener Seite, gewissermaßen als Rache, fortan die Wenighösbacher insgesamt mit der Bezeichnung “Jöcher” zu kränken versuchte. 

Die zeitliche Nähe der Wenighösbacher Kerb, die gut vier Wochen vor diesem “unangenehmen Vorfall” gefeiert wurde könnte durchaus darauf hindeuten, dass auf dieser Kerb des Jahres 1864 vielleicht auch die Bezeichnung “Jöcher”, für die Wenighösbacher schlechthin, geboren wurde.

“Die Zeit heilt alle Wunden”, so sagt man sicher nicht ganz zu Unrecht. Denn, was damals die Presse und die Lokalpolitik beschäftigte und gar zu einer hoch offiziellen Entschuldigung der Gemeinde Rottenberg führte, zählt heute eher zur Kategorie: “Lustige Geschichten aus vergangenen Tagen”.  So verwundert es nicht, dass die Blaskapelle Wenighösbach selbstbewusst den Markennamen

“Die Jochbachtaler” führt. 

Heute werden die Bezeichnungen “Joch” für Wenighösbach oder “Jöcher” für seine Bewohner, wenn sie denn meist schmunzelnd und neckend noch gebraucht werden, von den solcherart titulierten nicht mehr als   “Ounoame” gesehen sondern eher als altbekannter und inzwischen in der Nachbarschaft fast gängiger Zweitnamen ihres Dorfes und seiner Menschen. 

Text: Ferdi Sauer

14. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Frohe Weihnachten!

“Weihnachten ist kein Zeitpunkt und keine Jahreszeit, sondern eine Gefühlslage. Frieden und Wohlwollen in seinem Herzen zu halten, freigiebig mit Barmherzigkeiten zu sein, das heißt, den wahren Geist von Weihnachten in sich zu tragen.”

Calvin Coolidge 
30. Präsident der Vereinigten Staaten

Liebe Mitglieder, Freunde und Gönner unseres Vereines,

das aktuelle Jahr 2020 ist ein Jahr, welches uns allen sicher nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Wir mussten lernen, mit ungeahnten Einschränkungen umzugehen. Liebgewordene Gewohnheiten und menschliche Nähe waren plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr. Das hat viele von uns an unsere Grenzen geführt.

Daher bedanke ich mich im Namen des Vereins für Heimatpflege Wenighösbach e.V. in diesem Jahr ganz besonders für die Treue und Unterstützung durch unsere aktiven und passiven Mitglieder und bei den vielen Gönnern und Förderern unseres Vereines!

Ich wünsche uns allen Mut, Hoffnung und Weitblick für die vor uns liegende Weihnachtszeit und das Jahr 2021!

Stefan Sauer
1.Vorsitzender

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 10.12.1864

Aschaffenburger Zeitung vom 25.11.1888

Wenighösbach 24. Nov. Mit einem Stuhl in der Hand fiel gestern die Frau des hiesigen Gemeindedieners Johann Bergmann über ihre ca. 3 Meter hohe Haustreppe und zog sich durch diesen Fall derartige Verletzungen zu, daß schleunigst der Arzt konsultirt werden mußte.

Aschaffenburger Zeitung vom 10.12.1864

Vermischte Nachrichten.

Aschaffenburg, 10. Dez. Ein Akt roher Ungezogenheit wurde am 6. d. M. Abends gegen 4 Uhr an zwei von Aschaffenburg heimkehrenden Personen von Wenighösbach dadurch verübt, daß mehrere auf einem Wagen vom Markte zurückkehrende, ungezogene Burschen von Rottenberg dieselben ohne jede Veranlassung auf bübische Weise durch Schimpfworte insultirten. Zeugniß von der geringen Bildung und gemeinen Rohheit dieser Subjekte.

Anmerkung:

Welche Insultationen, also schweren Beleidigungen, den Verfasser des Zeitungsberichts wohl derartig in Rage versetzten? Auflösung in der nächsten Woche an gleicher Stelle.

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 06.12.1888

Beobachter am Main vom 6.12.1888

Wenighösbach, 5. Dez. Gelegentlich des gestern dahier stattgefundenen Patronatsfestes der hiesigen Kirche fand Nachmittags die feierliche Einweihung der vor einiger Zeit angeschafften Stationsbilder statt. Den Weiheact vollzog Herr Dechantpfarrer Hopf von Ernstkirchen. Die Stationsbilder, aus der Firma Bätz von München, sind nicht nur eine Zierde des hiesigen Gotteshauses, sondern auch ein schöner Beweis opferfreudigen, christlichen Sinnes.

Anmerkung:

Die hier beschriebenen Stationsbilder wurden 1948 im Zuge einer umfassenden Renovierung der St.-Barbara-Kirche durch die gegenwärtig zu sehenden Darstellungen des Kreuzesweges Jesu ausgetauscht. Die alten Stationsbilder befinden sich jedoch noch im Bestand der Kirche.

Aschaffenburger Zeitung vom 10.12.1888

Wenighösbach, 8. Dez. Mit dem Pflücken von Tannenzapfen im hiesigen Gemeindewalde beschäftigt, zerbrach gestern Mittag die ca. 34 Fuß hohe Leiter, worauf der Sohn des hiesigen Bürgers, Peter Gehlert, mit Namen Johann Gehlert, die Tannenzapfen am Baum von der obersten Sprosse der Leiter abbrechen wollte, in der Mitte entzwei, und fiel derselbe zu Boden. Zum Glücke hatte er sich blos einige Verletzungen und Schürfungen im Gesichte zugezogen. Fast alle Jahre hört man von solchen Unglücksfällen und wäre es deshalb angezeigt, wenn diese jungen Leute sich nicht auf solche hohen Bäume wagen, und vorher ihre Leiter über die Tragfähigkeit prüfen würden.

Anmerkung:

Für diejenigen, die noch die alten Haus Namen kennen und zuordnen können ein kleiner Hinweis. Peter Gehlert und sein Sohn Johann Alois Gehlert waren die Namensgeber des Anwesens Hs.-Nr. 48: “Es Hoans-Peiräs”. Falls Johann Gehlert sich wirklich auf der letzten Sprosse der Leiter befand und von dort zu Boden fiel, hatte er wirklich unglaubliches Glück. Ein Fuß hat die Länge von Rund 30 cm. Johann fiel also aus einer Höhe von gut 10 Metern zu Boden, vermutlich bremsten Äste seinen tiefen Fall.

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 29.11.1888

Beobachter am Main vom 29.11.1888 –

Wenighösbach, 24. Nov.

Jetzt erst ist es ermöglicht, den Ausfall der diesjährigen Ernte constatiren zu können. Die Obsternte, welche vor 2 Jahren ca. 35.000 M. dahier eintrug, war dieses Jahr um die Hälfte geringer. Der Grund liegt einestheils in den niedrigen Obst- bezw. Verkaufspreisen, anderntheils in dem nicht so reichlichen Ertrage. Während im Jahr 1886 alle Sorten Obstbäume sehr reichlich Früchte trugen, so war nur in diesem Jahre der Ertrag einzelner Obstsorten, als Hofäpfel, Renette, Pariser sehr ergiebig, dagegen hatten die anderen Obstsorten nur wenigen Ertrag geliefert. Das Leseobst wurde mit M. 1.20 bis 1.50, das geschüttelte Kelterobst mit M. 2.20 bis 2.50, das gebrochene Obst mit M. 2.70 bis 3.20 bezahlt. Von den hier wachsenden Pariser wurde von Seite einer Obsthandlung fast Alles aufgekauft und der Zentner mit 7 Mk. bezahlt. Die Kartoffelernte befriedigt im Allgemeinen; wenn auch constatirt werden muß, daß auf schwerem Boden in diesem Jahre durch die große Nässe des Sommers 25 bis 30 pCt. als angefault erkannt werden müssen. – Die Getreideernte entspricht im Durchschnitt einer guten Mittelernte. – Das Kraut war in diesem Jahre sehr schön und wurde das Hundert mit 5 bis 6 M. bezahlt. – Der Weinbau entspricht einem herben und sauren 1888er, der nicht gut, nämlich im reinen, unverfälschten Zustande an den Mann gebracht werden kann. – Die Heuernte war durchschnittlich gering, dagegen wurde dieselbe durch den zweiten Schnitt des Grases, das in Folge des regnerischen Sommers sich kräftig entwickelte, etwas ausgeglichen. So ist nun wieder ein Erntejahr vorüber, aber leider ein mageres. Hoffen wir nun, daß für das Jahr 1889 der Landmann einen reichlicheren Segen sich versprechen kann, da ja in jetziger Zeit bei der Theuerung der Lebensmittel, der Kostspieligkeit der Arbeitskräfte die landwirthschaftlichen Verhältnisse sehr gedrückt darniederliegen.

Anmerkung:

Die hohe, wirtschaftliche Bedeutung des Obstbaus nicht nur für Wenighösbach sondern auch für unsere Region, verdeutlichen folgende Zahlen.

Wenighösbach bestand 1870 aus 52 Wohnhäusern. Pro Anwesen entfielen aus dem Erlös der Apfel Ernte 1886 also 673 Mark. Im Jahr 1905 zählte man erst 57 Wohnhäuser. Auch wenn man den Ertrag auf die 91 Haushalte des Jahres 1870 aufteilt, ergibt das immerhin den Betrag von 385 Mark pro Haushalt. Der durchschnittliche Jahres Lohn eines Fabrikarbeiters in Deutschland, bewegte sich um 1900 zwischen 600 und 700 Mark.

Preise um 1900

1 Kilo Schweinefleisch: 1 Mark, 50 Pfennig
1 Kilo Pferdefleisch: 50 Pfennig
1 Kilo Butter: 1 Mark, 86 Pfennig
1 Liter Milch: 20 Pfennig 
1 Kilo Roggenbrot: 23 Pfennig 
1 Kilo Weizenmehl: 36 Pfennig
1 Kilo Zucker: 65 Pfennig
1 Kilo Kaffee: 4 Mark, 15 Pfennig
1 Mandel Eier (15 Stück): 73 Pfennig
1 Zentner Kartoffeln: 2 Mark, 63 Pfennig
1 Liter Bier: 24 Pfennig

Quellen: Dorfchronik Wenighösbach: Bevölkerungsentwicklung von 1551-1972 / Geschichtsforum.de: Preise um 1900

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 21.11.1877

Beobachter am Main vom 21.11.1877

Ausschreiben.

In der Nacht vom 15. auf 16. curr. wurde im Orte Wenighösbach ein Diebstahl an folgenden zum Trocknen aufgehängten Waschstücken im Gesammtwerthe von 92 M. 90 Pf. verübt, nämlich

1 baumwollner Bettüberzug, weiß und roth gewürfelt mit blau und gelben Streifen, 1 baumwollener Frauenrock, roth und blau gestreift,  2 Frauenhemden, halb Leinen,
2 baumwollene Mannshemden, ohne Binde an den Aermeln,
1 Leintuch von Leinwand,
3 baumwollene Knabenhemden,
1 leinenes Mannshemd,
1 leinenes Knabenhemd,
4 Kinderhemden, halb Leinen, halb Baumwolle
2 leinene Tischtücher gerippt,
2 baumwollene Kissenüberzüge, roth und weiß gewürfelt mit blau und gelben Streifen und weiß leinenem Grund,
1 baumwollener Bettüberzug roth und weiß gewürfelt mit weiß baumwollenem Grund,
1 Leintuch von grober Hausleinwand,
2 Mannshemden, halb Leinen halb baumwollen,
1 baumwollener Bettüberzug roth und weiß gewürfelt mit weißem baumwollenen Grund,
2 baumwollene Kissenüberzüge roth und weiß gewürfelt,
1 Sacktuch, roth mit gelben Blumen,
1 weißbaumwollenes Mannshe
md „A.B.“ gezeichnet,
1 weißleinenes Leintuch, alt,
1 weißbaumwollenes Mannshemd, neu,
1 halbleinenes ditto,
1 weißleinenes Mannshemd „G.St.“ gezeichnet,
1 Frauenhemd von grober Leinwand „M.St.“ gezeichnet,
1 Leintuch desgleichen,
1 Paar weißwollene Socken,
1 Mannshose von grauem Tuche,
1 Weste von gleichem Tuche,

Ich verfüge Spähe.

Aschaffenburg den 19. November 1877

Der k. Untersuchungsrichter: Scheuerer

Anmerkung:

Solch reiche Beute, immerhin 38 Teile und in der beschriebenen Qualität und Vielfalt, konnten die unbekannten Diebe vermutlich nicht von jeder Wäscheleine in Wenighösbach abnehmen.

Anhand der Initialen liegt die Vermutung sehr nahe, dass die unbekannten Diebe sich an der Wäsche des damaligen Ortsvorstehers, Georg Andreas Staab und dessen Ehefrau Magdalena vergriffen hatten.

Von einem wie auch immer gearteten Erfolg der verfügten “Spähe”, wird im “Beobachter am Main” in der Folgezeit nichts berichtet.

Georg Andreas Staab begleitete das Amt des Ortsvorstehers von 1860 bis 1899. In seiner Amtszeit wurden unter Anderem wichtige Vorhaben wie z.B. der Kauf des Münchofs 1888 und die Errichtung der Lokalkaplanei 1893 realisiert.

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse – 03.11.1915

Beobachter am Main vom 3.11.1915

Wenighösbach, 30. Okt. Auf bedauerliche Weise büßte Frau Hein von hier ihr rechtes Auge ein. Ein mit der Stange herab geschlagener Apfel traf ihr ins Auge, was den Verlust des Auges zur Folge hatte. – Die hier beschäftigten französischen Kriegsgefangenen kommen heute wieder nach Lager Hammelburg zurück, wenn auch ungern; nur einige bleiben zurück, die zur Arbeit noch benötigt werden.

Beobachter am Main vom 11.11.1915

Wenighösbach, 8. Nov. Wiederum wurde unsere Gemeinde in Trauer versetzt, durch den Tod des Kriegers Jakob Völker, der in Frankreich von einer Granate getroffen wurde. Es ist das neunte Kriegsopfer und der erste Familienvater, der aus unserer Gemeinde fiel. Er möge ruhen bei den übrigen Helden im Lande des Friedens!

Anmerkung:

Bereits Anfang Sept. 1914 wurden der Gemeinde Wenighösbach zur Mithilfe bei der reichen Apfelernte 24 franz. Kriegsgefangene zugeteilt. Laut der Dorfchronik Wenighösbach, hatte man zum Quartier der Gefangenen ausgerechnet das Gasthaus “Zur frischen Quelle” für geeignet befunden. Obwohl von drei Wachleuten bewacht kam es, vermutlich auch wegen der leichten Erreichbarkeit alkoholischer Getränke, “zu mancherlei Missbrauch” durch die Gefangenen.  Dass man nur ungern nach Hammelburg zurückkehren wollte, mag unter anderem auch in diesem Umstand begründet gewesen sein. 

Text: Ferdi Sauer

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse 29.10.1879

Nachdem bereits in einem der Bände des Geschichtsvereines Hösbach mit dem Titel: „Hösbach in der Presse von anno dazumal“ von der Unterafferbacher Kerb von 1889 als einem gefährlichen Pflaster berichtet wurde, scheint ein weiterer Bericht von einem schlimmen Vorfall auf der Kerb, der sich 10 Jahre zuvor ereignete, dies zu bestätigen.  

Beobachter am Main vom 29.10.1879

Vom Vorspessart, 28. Okt.

Eine eigenthümliche Feuerwehr-Uebung kam am vergangenen Sonntag in Unterafferbach vor. Dort wurde nämlich Kirchweihe gefeiert, wobei Tanzmusik nicht fehlen durfte. Gegen Abend kam nun die freiw. Feuerwehr von Wenighösbach aus Damm zurück, wo sie dem 10jährigen Stiftungsfeste der dortigen Feuerwehr beiwohnte. Dieselbe nahm ihren Heimweg über Unterafferbach, um doch auch am Kirchweih-Vergnügen Antheil zu nehmen. Nachdem dieselbe eine Zeit lang sich in der Wirthschaft des P. Kraus gütlich gethan und von den Strapazen des Tages ausgeruht hatte, begab man sich in das Tanzlokal des Wirthes Maidhof. Einige Feuerwehr-Mitglieder betheiligten sich am Tanze und zwar in ihrer Ausrüstung mit den Feuerwehr-Beilen an der Seite. Da sie auf erfolgte Aufforderung diese Waffen nicht weglegten, so entstand bald ein Wortwechsel, welcher schnell in Thätlichkeiten überging. Man griff zu den Messern, was zur Folge hatte, daß 2 junge Männer von Unterafferbach tödtlich getroffen zusammenstürtzten. Der eine davon ist heute Nacht seiner Verwundung bereits erlegen und am Aufkommen des anderen wird sehr gezweifelt. Das ist wieder ein trauriger Beweis von den schlimmen Folgen der Tanzmusiken, zeigt aber auch, wie leicht die freiw. Feuerwehr ihren Beruf vergessen kann, besonders, wenn hochmüthige Leute darunter sind, denen es weniger um die Erfüllung ihres ernsten Berufes zu thun ist, als vielmehr darum, sich sehen zu lassen und, wie man sagt, ein Männchen zu spielen. Daß der wahre Beruf der Feuerwehr ein schwerer und ernster ist, das weiß Jedermann zu würdigen, aber auch um so größere Mißbilligung finden solche Ausschreitungen! – (Wie wir hören, soll bereits Einer als der That Beschuldigte in die hiesige Frohnveste eingebracht worden sein.)

8. Dezember 2020
von Heimatpfleger
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Wenighösbach im Spiegel der Presse 17.10.1888

Wir möchten an dieser Stelle ab sofort Zeitungsnotizen aus vergangenen Tagen, speziell über Wenighösbach vorstellen.

Welch hohe wirtschaftliche Bedeutung der Obstanbau für unsere Großeltern und Urgroßeltern hatte, mag folgende kurze Nachricht aus dem “Beobachter am Main” verdeutlichen.

Beobachter am Main vom 17.10.1888

Wenighösbach, 15. Okt. Mit einer Fuhre gebrochenen Obstes nach Frankfurt unterwegs stürzte der Landwirth Andreas Staab II. vorgestern Abend unterhalb Stockstadt und erlitt bei diesem Fall einen linken Armbruch. Herr A. Staab, ein fleißiger und tüchtiger Oekonom von hier, wird deshalb von sämmtlichen Ortsangehörigen bedauert.

Wie Andreas Staab II. nach Frankfurt gelangte, geht aus dem kurzen Bericht leider nicht hervor, höchst wahrscheinlich benutzte er ein Pferdefuhrwerk. Das bedeutete für ihn eine Tagesreise von 8 -10 Stunden Dauer. Eine solch lange Fahrt auf sich zu nehmen lässt daher unschwer auf gute Erlöse aus dem Verkauf der Äpfel schließen.

Auch wenn Apfelbäume auch heute noch einen prägenden Bestandteil unserer Landschaft bilden, so hat der Obstanbau in unserer Gegend schon seit Jahren nur noch geringe wirtschaftliche Bedeutung.

Ganz anders war dies, nicht nur in Wenighösbach, im 19. Jahrhundert und noch bis in die 1960er Jahre der Fall.

In dem kleinen Dorf mit ca. 650 Einwohnern gab es damals nicht weniger als sechs Keltereien. Neben den beiden Gastwirtschaften und in der Kelterei E. Bergmann standen noch drei weitere Keltern als Nebenerwerb in bäuerlichen Anwesen.

Herzlichen Dank an Waltraud und Helmut Henkel, die historische Zeitungsartikel in jahrelanger Fleißarbeit aus div. Archiven zusammen getragen haben und uns diese freundlicherweise in digitaler Form zur Veröffentlichung an dieser Stelle zur Verfügung gestellt haben.

Eine Zusammenfassung der Zeitungs Ausschnitte wurde in drei Bänden unter dem Titel: “Hösbach in der Presse von anno dazumal” vom Geschichtsverein Hösbach herausgegeben.